Auswirkungen von eingeschränkter zeitlicher Dispositionsfreiheitauf die Kapazitätsplanung von Bauunternehmen

Dr.-Ing. Gernot Strasser, Studienpreisträger 2026

Die Möglichkeit darüber zu entscheiden, was innerhalb eines bestimmten Zeitraums geschieht, ist in wirtschaftlichen Angelegenheiten ganz allgemein von besonderer Bedeutung. In dieser Dissertation wird analysiert, welche zeitlichen Freiheiten Bauunternehmen bei der Erstellung von Bauleistungen zukommen und wie sich Einschränkungen auf die Kapazitätsplanung auswirken.

Im Rahmen dieser Arbeit wird erläutert, was unter der zeitlichen Dispositionsfreiheit in Bauverträgen zu verstehen ist und wodurch diese den Bauunternehmen üblicherweise zustehende Freiheit eingeschränkt wird. Dafür wird analysiert, welche bauvertragliche Bedeutung bestimmte Zeitvorgaben in Bauverträgen haben und wie diese baubetriebswirtschaftlich eingeordnet werden können. Zudem werden Merkmale identifiziert, die eine eingeschränkte Dispositionsfreiheit kennzeichnen. Schließlich wird untersucht, welche Einschränkungen der zeitlichen Freiheiten in der Praxis vorkommen. Anhand der identifizierten Merkmale werden beispielhafte Vertragsbestimmungen analysiert, um festzustellen, ob sie eher eine geringe oder eine weitgehende Einschränkung der zeitlichen Dispositionsfreiheit bewirken.

Weiter wird in dieser Arbeit untersucht, wie der zeitliche Leistungsfortschritt der Bauleistungserstellung mit dem Potenzialeinsatz von Bauunternehmen zusammenhängt. Dafür werden zunächst relevante Überlegungen aus der konventionellen Produktionstheorie dargestellt und die erforderlichen Größen eingeführt. Anschließend wird beschrieben, welche Erweiterungen der konventionellen Produktionstheorie notwendig sind, um die Bauleistungserstellung realistischer abzubilden. Es werden die der Bauleistungserstellung inhärenten produktionstheoretischen Merkmale beschrieben und daraus abgeleitet, dass die Leistungserstellung als dynamischer und stochastischer Prozess betrachtet werden muss. Auf Basis dieser Erkenntnis wird eine Produktionsfunktion formuliert, die den Zusammenhang zwischen Leistungsfortschritt und Potenzialeinsatz beschreibt.

Zur Beschreibung der Auswirkungen zeitlicher Einschränkungen auf die Kapazitätsplanung wird – basierend auf der formulierten Produktionsfunktion – ein probabilistisches Bemessungskonzept vorgestellt. Mit diesem Konzept wird ermittelt, welche Kapazität für eine Bauleistungserstellung in verschiedenen Nachfrageszenarien erforderlich ist. Die Nachfrageszenarien werden so gewählt, dass sie sich in ihren Zeitvorgaben unterscheiden. Die Bemessungsergebnisse zeigen, dass zeitliche Einschränkungen zwar die Zuverlässigkeit des Leistungsfortschritts erhöhen, jedoch zwangsläufig zu Überkapazitäten führen. Der steigende Kapazitätsbedarf resultiert daraus, dass mit zunehmenden Zeitvorgaben die Möglichkeiten zur Belastungsoptimierung eingeschränkt werden und auch Ausgleichseffekte verloren gehen.

Aus den Ergebnissen werden Handlungsempfehlungen abgeleitet, die als Hilfestellung für die Festlegung von Zeitvorgaben dienen. Abschließend werden Fragen zusammengefasst, die im Rahmen dieser Arbeit unbeantwortet geblieben sind und weitere Forschung motivieren.

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