Empfehlungen der Reform-Kommission im Praxis-Check

2. Erst planen, dann bauen

Die Reformkommission empfiehlt, mit dem Bau erst dann zu beginnen, wenn eine lückenlose Ausführungsplanung mit detaillierten Angaben zu Kosten, Risiken und Terminen für das gesamte Projekt vorliegt. Allenfalls vollständig abtrennbare Teilprojekte oder Gewerke könnten zeitlich vorgezogen werden.

Gerade bei technisch hoch ausgestatteten Gebäuden bewirkt die strikte Einhaltung der Empfehlung sehr lange Projektlaufzeiten, wenn etwa der Baugrubenaushub auf den Abschluß der Uhrenplanung warten soll. Das macht Projekte nicht nur unwirtschaftlich, es birgt auch die Gefahr von Erosionsschäden im Projekt, wenn sich etwa im Laufe der Zeit Anforderungen verändern oder Wissensträger das Projekt verlassen. Nicht nur für Architektur- und Ingenieurbüros sind gut organisierte schnelle Projekte besser als Langläufer.

Beim Flugsteig A-Plus wurde deshalb zunächst die umfangreiche Baufeldfrei­ma­chung, der Erdbau und der Rohbau beauftragt, um mehr Zeit für die weitere Ausführungs­planung zu gewinnen. Nachdem die Ergebnisse des vorbeschriebenen Planungsprozesses in Verbindung mit dem etablierten Änderungs­management eine hohe Qualität und Stabilität der bisherigen Planung erzeugt haben, erschienen die verbliebenen Risiken beherrschbar. Auch hier ist die kooperative Planung ein Schlüssel zum Erfolg, indem sich die Planungsbeteiligten untereinander eng abstimmen und mutig unbekannte Größen einvernehmlich durch tragfähige Annahmen ersetzen.

Insofern hat Fraport die Empfehlung lediglich in einer erweiterten Auslegung angewandt, und würde dies unter Chancen-Risiko-Abwägungen in vergleichbaren Fällen auch wieder so tun. Diese Abweichung von der Empfehlung kann jedoch nur solchen Bauherren empfohlen werden, die wirklich wissen und beherrschen, was sie tun und die sich auf ein erfahrenes Planungs-Team verlassen können, das sicher damit umgehen kann. Weil das auch seinen Preis hat, ist die 4. Empfehlung der Reformkommission im übrigen auch auf Architekten- und Ingenieurleistungen anzuwenden.

1. WVPM

Präsident
Prof. Dr.-Ing. Norbert Preuß

1. Vorsitzender
Prof. Dr. Klaus Eschenbruch
2. Vorsitzender
Prof. Dr.-Ing. Florian Kluge

2017  1. Wissenschaftlichen Vereinigung Projektmanagement - 1wvpm